Kernkompetenzen
Schutz der Soldaten im Ausland
Der Schutz der Soldaten gegen Waffenwirkung bei der Unterbringung im Einsatz hat eine herausragende Bedeutung für die Bundeswehr. Aufgrund der unterschiedlichsten Bedrohungen ist für jede Einsatzliegenschaft (z. B. Feldlager) ein individuelles Schutzkonzept erforderlich. Unter anderem hat die WTD 52 für die Feldlager Kunduz, Feyzabad und Mazar-e-Sharif in Afghanistan bauliche Schutzmaßnahmen entwickelt und die Schutzwirkung experimentell und mittels numerischer Simulation nachgewiesen.
Der Schutz von Einsatzliegenschaften umfasst den Eingangsbereich, die Abgrenzung zur Umgebung (Perimeter), den Wohn- und Funktionsbereich der Soldaten, Überwachungstechniken und vieles mehr.
Die erarbeiteten Schutzkonzepte werden mittels numerischer Simulationen virtuell überprüft. Die errechneten Ergebnisse werden anschließend anhand von Ansprengungen am realen Objekt hinsichtlich ihrer Schutzwirkung verifiziert.
Schutz gegen terroristische Anschläge
Mit dem 11. September 2001 ist der Terrorismus schlagartig in das Bewusstsein der breiten Öffentlichkeit gerückt. Die WTD 52 ist ein Vorreiter im Rahmen nationaler Anstrengungen mit dem Ziel des verbesserten Schutzes von Infrastruktur gegen terroristische Anschläge. Dazu gehören Untersuchungen zur Widerstandsfähigkeit von Strukturen, das Bewerten von baulichen Maßnahmen und die Entwicklung neuer Konzepte zur Planung und Verstärkung von Infrastruktur.
An Botschaftsgebäuden oder militärisch genutzten zivilen Bürokomplexen werden oftmals großflächige Glas-/Fassadenelemente verwendet. Die Zerstörung dieser Glas-/Fassadenelemente — beispielsweise durch Sprengstoffanschläge — führt zur Bildung einer „Splitter- und Trümmerwolke“. Dies stellt eine lebensbedrohliche Gefahr für Personen dar, die sich im Gebäude oder dessen Nähe aufhalten. Von der WTD 52 werden experimentelle Sprengtests an diversen Fassadenelementen durchgeführt, die zum Nachweis des Widerstandswertes gegen eine festgelegte terroristische Bedrohung dienen. Die gewonnenen Ergebnisse sind auch für den zivilen Bereich von großem Interesse.
In enger Kooperation mit wissenschaftlichen Instituten und anderen Behörden versucht die WTD 52, vorhandene nationale Fähigkeiten bestmöglich einzusetzen, zu bündeln und Synergien auf dem Gebiet der Terrorismusabwehr zu erzielen.
Sicherheit von Munitionslagerung
Bei Auslandseinsätzen ist die Sicherheit der Munitionslagerung innerhalb des Feldlagers ein besonders kritisches Thema. Eine Gefährdung der Soldaten muss auch bei Angriffen, Sabotage und Unfällen ausgeschlossen sein.
Zum Beispiel wurde für die ständig zur Verfügung stehende Bereitschaftsmunition ein spezielles Aufbewahrungsmodul entwickelt, das eine unmittelbare Lagerung der Munition im Wohnbereich der Soldaten zulässt. Durch eine entsprechende geometrisch Auslegung des Moduls wird im Explosionsfall eine nach oben gerichtete, unkritische Druckentlastung ermöglicht. Entstehende Splitter werden durch die Schutzauslegung der Hülle abgefangen. Das Aufbewahrungsmodul ist für Mehrfachbelastungen infolge Innendetonation ausgelegt.

Simulation von Luftstoßeffekten
Wie wirken sich Detonationswellen, zum Beispiel in Folge von Sprengstoffanschlägen, auf Strukturen,
Waffensysteme und Einzelkomponenten aus?
Untersuchungen dazu werden in dem europaweit einzigartigen Luftstoßsimulator der WTD 52 durchgeführt. Im so genannten Large-Blast-Simulator (LBS) kann mit Hilfe von hochkomprimierter Luft eine Stosswelle wie bei realen Detonationen erzeugt werden.
Dabei umfassen die Simulationsmöglichkeiten das gesamte Spektrum von der Autobombe bis zur Nukleardetonation.

Numerische Simulation
Die WTD 52 hat bereits Mitte der 1990er Jahre spezielle Soft- und Hardware eingeführt, mit der auf numerischem Wege die Wirkung von Waffen und die Reaktion von zu schützenden Strukturen berechnet werden kann. Heute verfügen die Experten der WTD 52 über zwei Hochleistungs-Cluster. Damit können komplexe Modelle mit mehreren Prozessoren gleichzeitig (parallel) und damit schneller berechnet werden.
Das Aufgabenspektrum der numerischen Simulation umfasst die fachtechnische Bewertung und Beratung im Bereich numerische Simulation von Waffenwirkung, Durchführung von kurzzeitdynamischen Simulationen und die Modellierung komplexer Strukturen.
Aufgrund der führenden Stellung im Amtsbereich des BWB bearbeitet die WTD 52 hierbei neben den Hauptaufgaben im Bereich Schutz der Infrastruktur u. a. auch Schutzmaßnahmen für Fahrzeuge.
Nichtletale Wirkmittel (NLW)
Nichtletale Wirkmittel sind eine neue Kategorie von Einsatzmitteln, die dazu dienen sollen, Menschen oder Material zeitlich begrenzt handlungsunfähig zu machen. Es sollen keine schwerwiegenden oder bleibenden Schäden entstehen. Die WTD 52 bearbeitet dabei federführend die Entwicklung und Untersuchung von NLW für die Bundeswehr.
Indirekter Schutz
Was nicht gesehen wird, kann nicht gesehen werden. Forschung und Technologie in der WTD 52 sorgen dafür, dass dieser indirekte Schutz vor Wärmebildsensoren und bildgebenden Radaren seiner Wirkung entfaltet.
Das Geschäftsfeld „Indirekter Schutz“ beschäftigte sich mit diesen Maßnahmen der Signaturerfassung und der Signaturanpassung von Wehrmaterial aus den Bereichen Land und Luft an die neuen Einsatzgebiete der Bundeswehr. Dazu werden die besonderen infrastrukturellen Möglichkeiten der WTD 52 kosteneffizient genutzt.
Die Seilbahn dient als Simulator-Plattform für anfliegende Lenkflugkörper oder Aufklärungssensoren. Im Talbereich werden mit Hilfe der Drehplattform multispektrale 360°-Signaturanalysen von Fahrzeugen und Geräten gewonnen. In der Untertageanlage können in einem optronischen Labor Tarnmaterialien hinsichtlich ihrer indirekten Schutzwirkung analysiert werden. In einer echoarmen Radarkammer werden Radartarnmaterialien getestet und für die Verwendbarkeit in der Bundeswehr qualifiziert.




